Die Zeit steht still - oder auch nicht. Fährt man diese Tage nach Braunwald, fühlt man sich zurück versetzt in den letzten Winter. Ein Sonnenterrassen-Winter wie jeder andere und doch so einmalig schön.
"Drei Mal Braunwald und retour, Halbtax bitte."
"Macht 24 Franken."
Einige Dinge im Leben ändern sich nicht so schnell. So kostete uns der Spaziergang mit anschliessender Adrenalin Runde wieder ein kleines Vermögen - aber natürlich war es das wert (wobei ich es genauso wertvoll finden würde, wenn mans günstiger oder doch gar umsonst erleben könnte).
Von Linthal nach Braunwald - quasi ein Katzensprung und doch auch im neuen Ostwindprogramm in drei (!!!) Zonen eingeteilt. Lass die Kreativität walten - so könnte man zumindest denken, wenn man sich mal den neuen Ostwind-Zonentarif auf der Karte anschaut. Wie jemand nur so kreativ sein und diese kurze Strecke in gleich drei Zonen unterteilten konnte? Kann man eigentlich nun auch auf halber oder zwei Drittel Strecke einsteigen, damit man sich nur in einer oder zwei Zonen bewegt?
Hm, eine Zone könnte bei dieser kleinen Alp im unteren Drittel enden und da könnte man ja eigentlich einsteigen. Die dritte Zone fängt bestimmt bei Zwerg Baartli an, der ja im letzten Drittel der Strecke zumindest ab Frühjahr den Gästen zuwinkt. Da liesse sich eine Haltestelle wohl nur mit grösster Mühe und Kosten aufbauen. Aber es ginge, würde im Schnitt schon mal zwei Franken für den Fahrgast, der von Braunwald zurück möchte, einsparen.
Nee, mal im Ernst. Der Ostwind ist ja schon eine gute Sache, aber bei der Strecke zwischen Linthal und Braunwald versagt das Konzept und bringt uns und unseren Gästen nicht wirklich viel Ersparnis ein. Ok wäre es vielleicht, wenn es maximal zwei Zonen wären - wobei ich natürlich für eine Zone stimmen würde, aber mit drei Zonen machts kostentechnisch keinen Sinn - jedenfalls für uns Pendler. Was anderes als pendeln geht ja leider bei der Strecke nicht.
Naja, sei es drum, so macht man einen solchen Ausflug nach Braunwald etwas seltener, doch wenn man ihn macht, wird man dafür auch mit wunderschönen Momenten und Erinnerungen belohnt. Momente, die es häufiger für jedermann geben würde, wenn es nach den Wirten und Hotelbesitzern ginge.
So wurde mir doch wieder zugeflüstert, dass ein Hotelier bereits die Bahnkosten für seine Gäste übernimmt (vielleicht machen das noch mehr, ich weiss bisher nur von einem) und ein anderer bereit ist, z.B. die Kaffeepreise von 3.90 Franken auf 4.20 anzuheben. "Man könnte es ja als Bahnsteuer deklarieren. Wenn da alle mitmachen, hätten wir den Grossteil der Finanzierung doch schon zusammen", so ein Braunwaldhotelier, der sich nicht einfach nur mit dem Ostwind zufrieden geben will. "Es braucht mehr, wenn man uns hier oben wirklich helfen will."
In dem Sinne nun frecherweise noch meine Empfehlung an den Glarner Regierungsrat: Ich empfehle, vor einer definitiven Ablehnung der Förderung des Braunwaldtourismus nochmals eine grosse Runde einzuberufen. Alle Hoteliers und Gastronomiebesitzer sowie Braunwaldinteressierte sollten sich doch mal mit Ihnen an einen Tisch setzen, um das alles nochmal gemeinsam durchzugehen. Zu verlieren gibt es nichts, dafür umso mehr zu gewinnen.
*** Ergänzung vom 1. Advent: Mir kam gerade der Gedanke, dass sich die Glarner Regierung auf jeden Fall nochmal mit den Thema auseinander setzen sollte. Denn wenn die Glarner vielleicht doch ja zur Gratisbahn sagen und damit wohl Schweizweit für Schlagzeilen sorgen würden, ist es fraglich, ob die Braunwald-Köpfe sich dann nachträglich auf eine solche "Bahnsteuer" einlassen würden. Hm, vielleicht brauchts wirklich ein Konzept, wie man es im Falle der Annahme durchs Volk finanzieren könnte und vielleicht würde beiden Seiten vorsorglich ein Finanzierungsmodell helfen. Hach, wäre ich doch mal Finanzierungsexperte geworden.