Drei Männer, ein Ziel: Sie wollen zu den "Bösen" gehören. Ruedi Luchsinger, Peter Horner und Roger Rychen trafen sich letzten Sonntag im Bergli und zeigten, dass schwingen mehr als
nur eine Sportart ist.
Es ist ein Ausflug unter Freunden, den die drei Glarner Muske(l)tiere an diesem Wochenende antreten. Ziel: Die Sägespänplätze in Burgdorf. Unter der "Aufsicht" von Altschwingmeister Fridolin Beglinger treten sie beim Eidgenössischen Schwingfest jeweils im besten Fall gegen acht andere Schwinger an. "Das Schwingen ist für uns mit das Wichtigste im Leben, denn hier zählt vor allem die Kameradschaft untereinander" - und so kommt es im Gespräch schon mal vor, dass jeweils der andere für seinen Mitschwinger antwortet.
Roger Rychen, der Jüngste der drei Muskeltiere ist ebenfalls gelernter Landwirt und blickt mit seinen 21 Jahren bereits auf eine bewegte Schwingerkarriere und ein bewegendes Leben zurück. Mit seiner Kreuzgriff-Lätz-Kombination will er an diesem Wochenende weiter kommen.
Vor insgesamt 250.000 Zuschauern wird an diesem Wochenende auch der Schönschwinger Roger Rychen in Burgdorf an den Start gehen. Aufgeregt ist er dennoch nicht, geben ihm seine beiden Schwinger-Kameraden Peter Horner und Ruedi Luchsinger den Rückhalt und die Kraft, auch schwierige und bewegende Situationen zu überstehen. "Schwingen ist auch in meinem Leben mit das Wichtigste, denn dahinter stehen vor allem die Kameraden und ich kann abschalten." Sein Ziel: Kränze und einfach dabei bleiben.
Kollegen seit dem 1. Kranz
Als einziger im Bunde gehört der 1 Meter 90 grosse Roger Rychen nicht zum Schwingclub Glarus sondern zum Schwingclub Niederurnen und stand im Alter von 14 Jahren auf dem Sägemehlplatz. Heutzutage zählen zu seinen Besitztümern bereits etwa 20 Glocken und 7 Kränze. "Früher war es mit den Clubs noch anders, heutzutage ist es ein Miteinander", wirft Rychens Schwingerkollege und guter Freund Peter Horner schnell in die Runde. Eine Runde, bei der man merkt, wie gut sich die Schwinger untereinander kennen. Immer wieder blickt Rychen bei einigen Fragen zu Horner und bittet ihn um Mithilfe bei den Antworten. Seit dem 1. Kranz im Mai 2011 sind Rychen und Horner trotz unterschiedlicher Schwingerclubs füreinander da und teilen Freude, Leid und Hoffnungen.
Und dennoch unterschiedlicher Meinung
Nicht in allem sind sich die beiden einig, so gibt Rychen als einen seinen schönsten Momente im Schwingerleben nicht den Tag des ersten Kranzgewinnes an, sondern den Tag, an dem er im Schlussgang gegen Horner antreten "durfte" - dem Klöntalschwinget 2013. "Gegen Kollegen anzutreten, deren Griffe man in und auswendig kennt, ist für mich aber nicht gerade ein schöner Moment", kontert Horner, der seinem Gegenüber den Sieg wohl fast mehr gegönnt hätte als sich selbst.
Uneinigkeit, die bei den beiden eher selten herrscht. Beim schönsten Moment im Privatleben des Rychens - das Kennenlernen seiner Freundin - herrscht dann Widerrum Zustimmung.
Eine Sekunde der Unachtsamkeit
Einen Moment länger als die anderen beiden braucht der eher zurückhaltende Kantonalkranzschwinger schon, um mehr über sich und sein Leben zu erzählen. Ein Leben, das in jungen Jahren schon den einen oder anderen Schlag durchleben musste. So warf im Jahre 2011 eine Sekunde der Unachtsamkeit das Leben des damals 19-Jährigen aus den Fugen und ihn aus der Fahrbahn. Nach vier Überschlägen mit seinen Golf kommt Rychen wieder auf den Rädern zum stehen. Totalschaden, glücklicherweise war er allein unterwegs. "Ziemlich taggenau ein Jahr später hast du dafür deinen dritten Kranz gewonnen", muntert Horner den "Zwangsvelofahrer" sogleich wieder auf.
Wenn sich Schwinger öffnen
Auf die Frage nach seinen Geschwistern antwortet er mit traurigem Blick "Ich habe zwei ältere Brüder, doch leider hat sich der Älteste der Beiden dieses Jahr das Leben genommen." Widerrum ein harter Schicksalsschlag für ihn. Horner und Rychen schauen sich vertraut an, während auch dieser Lebensabschnitt offen gelegt wird und er Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt gibt. "Abschalten" das ist eins der Dinge, die Rychen mit dem Schwingen verbindet, "Kameradschaft" ist das, was alle unabhängig voneinander sagen. Offenheit ist das, was mich an diesem Dreierteam so fasziniert hat und diese Interviewreihe für mich so besonders machte. Ich entdecke wieder einmal mehr, dass es nicht nur leere Worte sind, wenn Schwinger häufig von der Kameradschaft untereinander sprechen.
In dem Sinne: Viel Spass beim Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf.
BOX
Name: Roger Rychen
Wohnort: Meist bei seiner Freundin in Glarus
Gewonnene Kränze: 7
Geboren: 06.11.1991
Beruf: Landwirt und Allrounder bei Zimmermanns Landwirtschaftlichen Kundendienst
Grösse: 1 Meter 90
Kampfgewicht: 93 Kilo
Hobbys: Schwingen, Freunde & Freundin
Lieblingsessen: Steak mit Pommes
Lieblingsgetränk: Eistee
Makel: Ungeduldig, braucht sehr viel Zeit im Bad
Positiv: Tiefgründig, verlässlich, ordentlich, saubere Handschrift