Drei Männer, ein Ziel: Sie wollen zu den "Bösen" gehören. Ruedi Luchsinger, Peter Horner und Roger Rychen trafen sich letzten Sonntag im Bergli und zeigten, dass schwingen mehr als
nur eine Sportart ist.
Es ist ein Ausflug unter Freunden, den die drei Glarner Muske(l)tiere an diesem Wochenende antreten. Ziel: Die Sägespänplätze in Burgdorf. Unter der "Aufsicht" von Altschwingmeister Fridolin Beglinger treten sie beim Eidgenössischen Schwingfest jeweils im besten Fall gegen acht andere Schwinger an. "Das Schwingen ist für uns mit das Wichtigste im Leben, denn hier zählt vor allem die Kameradschaft untereinander" - und so kommt es im Gespräch schon mal vor, dass jeweils der andere für seinen Mitschwinger antwortet.
Der kleinste, älteste und meist auch schwerste im Dreier-Team ist der 25-jährige Peter Horner. Mit ihm sollte man sich besser nicht anlegen, denn er hat nicht nur den Schwingerkönig Arnold Forrer besiegt, er hat es auch kürzlich mit einem Stier aufgenommen - und gesiegt.
Die Freude beim Glarner Schwingerverband war gross, als Peter Horner Ende Juni diesen Jahres wieder den Titel Teilverbandskranzer nach Glarus holte und somit automatisch die Karte nach Burgdorf erhielt. "Es gibt einige schöne Momente, auf die ich stolz bin und dazu gehört sicher auch der Sieg gegen Arnold Forrer beim Rickenschwinget", mit einem breiten Grinsen erzählt er vom Überraschungsmoment und Sieg über Forrer, wie er sich seine Zukunft vorstellt und in welchem Moment auch er ins Zittern kam.
Der älteste Bruder im Stall
Schon früh stand auch bei Horner fest, was er einmal werden möchte: Landwirt mit einer eigenen Alp - die des Vaters. "Er betreibt schon seit 21 Jahren die Alp Altenoren, die Arbeiten haben mich schon als Kind interessiert und ich freue mich schon auf die Zeit, in der ich sie führen werde." Auf 1300 bis 2200 Meter zuhinterst im Glarnerland, oberhalb von Tierfehd, leben auch derzeit wieder 35 "Horner-Kühe" und nochmals gleich viel Jungvieh. Heuen, misten, Jungtiere versorgen - das sind derzeit die alltäglichen Aufgaben auch im Tal, die den Hoffnungsträger so einige zusätzliche Muskeln bescheren. Worauf er und sein Schwinger-Kollege Roger Rychen sich jetzt schon freuen: Den 30. September - wenn sie gemeinsam die Kühe beschmückt mit jensten Familien-Schwingerglocken von Linthal nach Glarus treiben.
Das Rippenbruch-Schwingen und der Löwe in ihm
Sein Lebensmotto: "Nimm jeden Tag wie er kommt und mach das Beste draus" - auch wenn das bei Horner schon mal bedeuten kann, selbst mit einer gebrochenen Rippe weiter zu schwingen und sich auch keine Auszeit nach einem weiteren Unfall zu gönnen. "Beim Schaffhauser Kantonalschwingfest im Jahre 2007 kam es mal zu einem Unfall, bei dem ich anfangs meine Beine nicht mehr spürte und dachte, gelähmt zu sein" - zwei Wochen später schon liess er sich bei einem weiteren Schwingfest aber nicht einmal vom Präsidenten aus dem Ring jagen. "Es ist schon gut, wenn jemand auch gesundheitlich auf dich achtet, aber so schnell lass ich mich sicher nicht vom Platz verjagen."
Der Stierkampf auf der Alp Altenoren
Wer versucht, ihn ausserhalb des Sägemehlplatzes zu vertreiben, hat ebenfalls schlechte Karten. So musste der Stier, der kürzlich auf seine Mutter losging und sie mit den Hörner vier Meter durch die Luft wirbelte, sogar mit seinem Leben büssen. "Wir hatten ihn von klein auf und dann ging er nach dem Angriff auf meine Mutter einen Tag später auch auf mich los" - ein Moment, der den sonst so sicher wirkenden Landwirt zum zittern brachte. Mit geballter Willenskraft und einem Stock konnte er den Stier besiegen. "Gezittert habe ich dennoch ein bisschen, aber letzten Endes hatte er gegen mich keine Chance" - zum Lieblingsessen von Roger Rychen verarbeitet, einem saftigen Steak mit einer Beilage, die man Horner besser nicht serviert - Pommes. "Es ist schon schade um das Tier, zwar hatte ich sonst mit ihm weniger zu tun, aber er war von klein auf bei uns" - sicher würde es irgendwann einen neuen Stier im Horner-Stall geben, jedoch einer, der dem Mensch nicht gefährlich wird.
Und eins haben die anderen ihm voraus
Sein späteres Sommerleben auf der Alp ist in Stein gemeisselt, ebenso die Liebe zur Landwirtschaft, der Käserei sowie der Arbeit als Allrounder bei der Martin Bowald AG, doch eins fehlt dem charismatischen und gutaussehenden Hoffnungsträger noch zu seinem Glück. Bei der Frage, wen er gern einmal kennenlernen würde, antwortet er promt "eine schöne Frau" - eine, die nicht versucht, ihm Herdöpfel oder gar Reis unterzujubeln. Eine, mit der er im Winter gemütlich nach einer Skifahrt auch mal ein leckeres Chäsfondue oder Raclette essen kann und die im besten Fall sogar noch seine Liebe zum Älplerleben teilt.
BOX
Name: Peter Horner
Wohnort: Glarus
Geboren: 15. 08. 1988
Gewonnene Kränze: 15
Beruf: Landwirt und Allrounder bei der Martin Bowald AG, Muldenservice
Grösse: 1 Meter 77
Kampfgewicht: 95 Kilo
Hobbys: Schwingen, Ski & Töff, Silvesterschellner Ennenda
Lieblingsessen: Alles mit Teigwaren
Lieblingsgetränk: Eistee
Makel: Ist nur Nudeln, kann nicht auf der "Schnorre" hocken, gelegentlich stur
Positiv: Merkt sich auch die Siege und wichtige Momente im Leben seiner Kollegen, hat "Anführerqualitäten", könnte den Status von Altschwingmeister Fridolin Beglinger erreichen