Dreier-Portrait-Reihe zu unseren Glarner Schwingen, die am 1. Septemberwochenende in Burgdorf beim Eidgenössischen Schwingfest antreten, erschienen am 30. August in der Südostschweiz Glarus.
Persönliches: 1000 Dank an Fridolin Beglinger, der meinen Südostschweiz-Sportchef fragte, ob ich nicht dazu schreiben könnte und danke an Ruedi, der mir den Auftrag gab. Es waren zwar hektische Tage, aber auch unvergessliche. Mittlerweile interessiere ich mich denn tatsächlich für Schwingernews und seh die "schweren" Jungs mit anderen Augen.
Drei Männer, ein Ziel: Sie wollen zu den "Bösen" gehören. Ruedi Luchsinger, Peter Horner und Roger Rychen trafen sich letzten Sonntag im Bergli und zeigten, dass schwingen mehr als
nur eine Sportart ist.
Es ist ein Ausflug unter Freunden, den die drei Glarner Muske(l)tiere an diesem Wochenende antreten. Ziel: Die Sägespänplätze in Burgdorf. Unter der "Aufsicht" von Altschwingmeister Fridolin Beglinger treten sie beim Eidgenössischen Schwingfest jeweils im besten Fall gegen acht andere Schwinger an. "Das Schwingen ist für uns mit das Wichtigste im Leben, denn hier zählt vor allem die Kameradschaft untereinander" - und so kommt es im Gespräch schon mal vor, dass jeweils der andere für seinen Mitschwinger antwortet.
Immer einen Spruch auf den Lippen und das Ziel vor Augen - der 24-jährige Ruedi Luchsinger erzählt bei einer "steinigen" Fahrt mehr aus seinem Leben und welche Zukunftsträume ihn begleiten.
Mit beiden Beinen im Leben und das Ziel vor Augen - auch der Zweitälteste des Dreiergespanns hat Grosses vor: "Das Foto mit der Glocke können wir auch nach dem Wochenende machen, dann ist sie nämlich gleich viel grösser." Etwa Zehn von ihnen sind die ersten Eroberungen des vierfachen Kranzschwingers. "Geldgewinne sind mir nicht wichtig, ich habs eher auf die Glocken und vor allem die Kränze abgesehen."
Wenn die Natur das Leben lehrt
Fragt man den heute 24-jährigen Kantonalkranzschwinger, bei welchem Schulfach er am liebsten die Schulbank drückte, so bekommt man als Antwort "bei keinem". Als echter Naturbursche verbrachte er seine Zeit lieber im Freien und packte schon früh auf dem elterlichen Hof in Haslen mit an. Schnell stand fest, dass er in die Fussstapfen seines Vaters treten möchte, dabei jedoch seine eigenen vielleicht dann grösseren Spuren hinterlassen wird. Nach der Schwandener Schulzeit konnte er sich endlich dem widmen, was er am liebsten macht. Er absolvierte seine Ausbildung als Landwirt und lernte das, was er heutzutage wirklich gebrauchen kann. Seine berufliche Einstellung: "Man muss sich vor allem eingestehen können, wenn etwas noch nicht so funktioniert und das bestmöglichste aus der Situation machen."
Unter ständiger Beobachtung: CO-Pilotin Nora
"Co-Pilotin" Nora, eine vierjährige Sennenhundmischlingsdame, blickt kurz zu Luchsinger, bevor sie sich wieder aufrichtet und genau beobachtet, wie er beladen mit etwa einer Tonne Gesteine den Hang hinunter fährt. "Na Nora, mach ich das gut so?" - ein eingespieltes Team, das kurzweilige Erschütterungen gewohnt ist. "Das schlimmste ist eigentlich, wenn etwas mit der Gesundheit nicht stimmt, für alles andere findet man immer eine Lösung." So entschied sich Luchsinger nach der Übernahme des väterlichen Betriebs mit der Tödi-Käserei im Jahre 2012, nebenbei auf dem Bau zu arbeiten. "Das hält gleichzeitig auch noch fit und ich mache es gern."
10 kleine Luchsinger
Sein Zukunftswunsch: Älpler. So eine eigene Alp zusammen mit seiner Freundin Seraina betreiben zu können, sei für ihn schon eine schöne Vorstellung. "Etwas später" - erst müsse sie ihre Ausbildung zur Hebamme fertig machen, aber dann würde er schon versuchen, ihr selbst zehn Kinder "unterzujubeln". Seraina selbst sieht den Kinderwunsch ihres Partners gelassener: "Ganz so viele werden es denn schon nicht." Lächelnd schaut sie auf der Terrasse des Berglis zu ihrem Landwirt, der die freie Zeit für ein Gespräch mit seinen Schwingerkollegen Roger Rychen und Peter Horner nutzt. Mit Blick über Glarus gehen die drei derweil privates und das kommende Wochenende in Burgdorf durch.
Milchreis gegen den Kiloverlust
Unterkriegen lässt sich Luchsinger nicht so leicht, sein Wille scheint unzerbrechlich, aber er nimmt im Sommer auch immer wieder zwei, drei Kilo ab. "Das ärgert mich schon ein wenig, wenn die Waage dann wieder zwei, drei Kilo weniger anzeigt, das ist eben der Nachteil beim Heuen." Mit Milch und Milchreis, seinem Lieblingsgetränk und -essen, beuge er dem aber ab und an vor. Schliesslich möchte er in seinem Schwingerleben noch den einen oder anderen Kranz - besonders den NOS-Kranz - erschwingen.