Vorbei an den letzten Mauerresten und Zeiten, in denen man sich fast schämen musste, eine Deutsche zu sein, dazu noch eine Berlinerin. So bedeutet Berlin nichts anderes als Sumpf und wer
kommt schon gern aus dem Sumpf?
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen", so Walter Ulbrich 1961 in einem öffentlichen Statement, während der SED-Chef im Hinterkopf längst die Abschottung Ostberlins vom Westen plante. Von
Moskau erhielt er Anfang August das OK für sein Vorhaben und dann folgte die besagte Nacht vom 12. auf den 13. August. Mithilfe der Volkspolizei, Betriebskampfgruppen und der nationalen
Volksarmee errichtete er entlang den verlaufenden Sektorengrenzen mit Stacheldrahtverhausungen und Steinwällen die erste Mauer. Auf einer Strecke von bald schon 155 Kilometern entstand der
gravierenste Einschnitt für die Bevölkerung Berlins. Berlin wurde geteilt, die Menschen auseinander gerissen. Wiedervereinigung vor 25 Jahren. Als Tourist konnte ich Berlin nun neu entdecken und
möchte Ihnen zeigen, warum ich heutzutage stolz bin, eine "aus dem Sumpf" zu sein.
Hat jemand vor, ein Schloss zu bauen?
An den Abend und die folgende Nacht, in der Schabowski auf Nachfrage hin die Öffnung der Grenze ab sofort vermeldete, können sich wohl viele noch erinnern. Es geschah am 9. November 1989, seitdem
ist viel passiert und bald nun 25 Jahre vergangen. Pflastersteine entlang der ehemaligen Mauer zeugen ebenso wie die Gedenksteine seitlich des Brandenburger Tors von einem Aufarbeiten der
Geschichte und lassen Berlin neben vielen anderen Attraktionen in einem neuen Licht erscheinen. Mit "Berlin on Bike" ging es für uns in der Kulturbrauereri im ehemaligen Arbeiterbezirk Prenzlauer
Berg auf zu einem neuen Kennenlernen Berlins. "Berlin im Überblick" - unter diesem Motto startete eine illustre Runde unter der Leitung von Tourenführer Sebastian ihre 3 1/2 stündige Fahrrad-Tour
durchs neue und alte Berlin. Ab zur Museumsinsel, vorbei an Angela Merkels Heim, nicht im Kanzleramt, dafür mit Ausblick aufs Pergamonmuseum und weiter zum Brandenburger Tor, mit Ausflug ins
Gedenksteinlabyrinth oder zur nächsten Currywurst-Bude.
Die Berliner Luft und die Currywurst
Der Nationalstolz der Deutschen - gab es ihn bisher überhaupt unabhängig vom Fussball oder ist es ein neues Pflänzchen, das vielerorts längst unbewusst das deutsch-multikulturelle Berliner
Erscheinungsbild prägt? Der Döner und die Currywurst, scheinbar die Hauptnahrungsmittel. Darf man stolz darauf sein, eine Deutsche zu sein? Die Berliner Luft tut gut, ob auf dem Rad mit
interessanten und eindrücklichen Zeitgeschichten oder in Form des gleichnamigen Kurzen, den wir nach dieser Fahrradtour noch im Innenhof der Kulturbrauerei tranken. Einstimmung: Berlin bei Nacht.
Einmal nochmal dorthin gehen, wo man mich früher als Stammgast antraf und dabei den Alternativvorschlag des Berlin on Bike Sebastians im Hinterkopf behalten. Tram-Ziel: Warschauer Strasse,
Matrix. 7 Floors und doch nirgendwo mehr die Musik von früher, doch auf den Strassen kurz vor der East Side Gallery fand man dafür umso mehr begnadete Musiker, die die Berliner Nacht zu etwas
besonderem machten und die Touristen und Einheimischen bis in die Morgenstunden begleiteten.
Wer hat vor, einen Flughafen zu bauen?
Ja, ich bin stolz, eine Berlinerin zu sein. So viele Kontraste und Unterschiede sowie ein multikulturelles Miteinander und wunderschöne Gedenkstätten gibt es selten in nur einer Stadt. Was Berlin
in den letzten 25 Jahren geschafft und wieder aufgebaut hat, ist einfach grandios. Berlin ist auch dank des modernen Wiederaufbaus des Berliner Schlosses dabei, zum absoluten Juwel unter den
Grossstädten zu werden, auch wenngleich der Grössenwahn einzelner Architekten und Bauherrn an einigen Stellen wie beispielsweise dem Berliner Hauptbahnhof oder natürlich dem Flughafen zur
allgemeinen Belustigung der Touristen und hart gesottenen Einheimischen beiträgt. Berlin - nicht nur meine Heimatstadt sondern auch die deutsche Stadt, die man einfach mal erlebt haben
muss. Fahrradtouren unter www.berlinonbike.de
Und das war unser Berlin Tag und die Nacht an der Mauer, der East Side Gallery:
Treffpunkt Liebe: Von der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg aus gings mit Fahrrad durch Berlin
Vorbei an Angela Merkels Heim, hier in der Nähe wohnen derzeit auch die Glarner Martin C. Mächler und seine Frau
Der Ausblick unserer Kanzlerein, das Pergamonmuseum
Und nun ein paar mehr Bilder der besagten Berlin on Bike Tour