Als Teenager konnte ich früher stundenlang einfach nur in den Himmel schauen und mit Freunden über Gott und die Welt reden - am liebsten taten wir dies in der Nacht. Denn kommt der Mond zum Vorschein, verändert sich irgendwie auch der Blickwinkel. Man sieht einige Dinge anders und stellt Fragen, die man tagsüber im Alltagstrott wohl nicht stellen würde. "Glaubst du an ein Leben auf einem anderen Planeten?" - klar, wäre wohl etwas naiv zu denken, dass wir die einzigen Lebewesen in diesem unfassbar unendlich grossen Weltall sind. "Wovor hast du am meisten Angst?" - jetzt gerade? In dem Moment? Dass gleich ein riesiger Komet auf die Erde schiesst. "Glaubst du, dass es die Menscheit in 1 Million Jahre noch gibt?" - nein.
Als Teenager haben wir uns Fragen gestellt, über die wir heutzutage nicht mehr nachdenken, obwohl man wohl definitiv einige Themen von damals mal wieder aufgreifen sollte. Der Mond spielte damals wie heute irgendwie immer eine besondere Rolle, beim Halbmond dachte ich wohl zu oft: "Zeit zum abnehmen" - doch dann kam der Vollmond und das Runde sah im übertragenen Sinne eigentlich gar nicht sooo schlecht aus und ausserdem: Abnehmen macht schlechte Laune (jedenfalls ist das bei mir so).
Als Teenager wünschte ich mir, eines Tages eine Kamera zu haben, mit der ich den Mond und so einiges anderes des Nachts einfangen kann. Allerdings ahnte ich damals noch nicht, dass ich eines Tages mal in Linthal - im Winter quasi "am Ende der Welt"- wohnen und den Mond umrahmt von Bergen fotografieren würde. Topausflugtipp: Die Schweiz bei Nacht. Einfach eine Kanne Tee und eine Decke mitnehmen und geniessen...
Einige Dinge werden erst bei Nacht sichtbar...
Aufnahmen zwischen 2 Uhr bis 3:15 Uhr - Blick auf Linthal, den Kilchenstock & die Selbstsanft
Bilder ab 1:30 Uhr am 22. Juli 2013
Von Linthal zum Klöntaler See, Schwammhöhe und dem Bergli pendelnd - und doch zog der Mond es vor, in dieser Nacht sein Unwesen unter anderem in Glarus Süd und auf dem Urnerboden zu treiben.
23. Juli 2013 - aufgenommen zwischen 1:30 Uhr bis 4:00 Uhr
©juliane krappe
Wenn des Nachts die Kindlein schlafen – und die Grossen zuviel Red Bull Intus haben, als dass sie bei einem solchen Mond noch schlafen könnten.
Es ist schon seltsam mit dem Mond, ist er doch ein fester Bestandteil unseres Lebens und doch wissen wir nicht, über welchen Berg er wann scheint. Also: Ab auf den Klausenpass und hoffen, dass man ihn zumindest gut aus 1900 Meter Höhe sehen kann. Übrigens kann ich solche nächtlichen Mondtouristenaktionen nur empfehlen. Es ist einfach immer wieder spannend, was sich nach Mitternacht so auf den Strassen tut und wie diese riesigen Berge umrahmt vom Sternenmeer dann wirken können - und vor allem: Wie sie klingen. Felsabbrüche fast schon im Minutentakt, schlafende Rinder und Kühe am Strassenrand, der Mond über dem Gletscher - tja, hätten sich die Glarner einen früher kreischenden Hahn ausgesucht und wären sie schneller gelaufen, dürften wir dieses faszinierende Stückchen Erde auch als eine unserer Attraktionen auflisten.
Wobei: Die Urner gehören ja eigentlich mehr zum Glarnerland als zum Kanton Uri, zumindest müssen sie im Winter einen riesen Umweg direkt durchs Glarnerland fahren, um zum anderen Teil ihres Kantons zu kommen. So haben wir ja eigentlich dann doch dank des müden Hahnes gewonnen - wir müssen nicht für die Lawinenräumung und eventuelle Schäden aufkommen und haben noch ein paar Urner, die im Winter ihr Geld in Linthal und Umgebung lassen.
Die Nacht vom 22. auf den 23. Juni, zwischen Linthal und Weesen
Und wenn sich zuhinterst im Zigerschlitz ein Unwetter zusammen braute, gings für mich und meinen Smart auf kleine "Abenteuerfahrt".
Blick vom Bergli auf Glarus